Scrapie und Resistenzzucht
24.05.2004  
23.07.2017 zuletzt aktualisiert


Von großer Bedeutung für alle ist die politische Entscheidung, daß in Zukunft in  Europa Handelsrestriktionen für nicht scrapieresistente Schafe eingeführt werden.
Interessant ist die Verteilung der Fälle auf die Bundesländer (s. Tabelle unten).  Hier zeigt sich deutlich, daß einige der Scrapie-Genotypisierung immer noch eine zu geringe Beachtung schenken.

 (Quelle: www.bmelv.de  Anzahl der bestätigten TSE (Scrapie)-Fälle in Deutschland    
Stand: 23.07.2017)

horizontal rule

Anzahl der bestätigten Scrapie-Fälle in Deutschland 2001-2016
Traberkrankheit bei Schafen und Ziegen (Scrapie) in der Bundesrepublik Deutschland -    
Bestätigte Neuausbrüche je Bundesland:

2001-2016  Scrapie-Fälle in den Bundesländern
BB  BW  BY HB HE HH MV  NS

NRW

RP SH SA SN Saarl.  TH insgesamt
12 75 42   22   9 15 23 8 2 11 9 3 12

243


2016
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  1 1         2       1       5

2015

BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  1 2           4 2   2       11

2014

BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
1 3 2       1   3 1           11

2013

BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  3 1   1               2     7


2012

BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  6 1         1               8

2011
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  10 2         1 2   1     1 2 19

2010
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
1 4 2   3       1     1   1   13

2009

BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  4     1       2 2 1   2     12

2008
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
1 3 1   1                 1   7

2007
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. .TH Summe
1 6 3   3   1           1     15

2006
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
1 4 8         2 3       2   3 23
2005
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
2 8 8   2     2 2     1 2     27

2004
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
4 11 6   6   1 5 2 3   1     4 43

2003
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
1 5 4   1   1 2 2     4     3

23


2002
BB BW BY HB HE HH MV NS NRW RP SH SA SN Saarl. TH Summe
  5 1   3   5   2            

16


2001

BB

BW

BY

HB

HE

HH

MV

NS

NRW

RP

SH

SA

SN

Saarl.

TH

Summe

 

   1

   

  1

           

  1

     

3

horizontal rule

 

Insbesondere durch die EG-Entscheidungen 2002/1003/EG vom 18.12.2002 zur Festlegung von Mindestanforderungen an eine Erhebung der Prionprotein-Genotypen von Schafrassen sowie 2003/100/EG vom 13.02.2003 zur Festlegung von Mindestanforderungen an die Aufstellen von Programmen zur Züchtung von Schafen auf Resistenz gegen übertragbare spongiforme Enzephalopathien sind Regelungen in Bezug auf Schafe mit bestimmten Prionproteingenotypen erlassen worden.
Die Bezeichnung der Allele durch einen Code aus drei Buchstaben sowie die Bezeichnung der einzelnen Genotypen durch Kombination der Bezeichnung von zwei Allelen ist durch Anhang I der Entscheidung 2002/103/EG festgelegt.
Die Einteilung der bisher üblichen Risikoklassen R1 bis R5 ist jedoch nicht mehr hilfreich, um bestimmte Genotypen bezüglich der rechtlichen Anforderungen zusammenfassend zu bezeichnen.
Daher hat die Projektgruppe Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) zur Züchtung auf TSE-Resistenz bei Schafen auf ihrer Sitzung am 04.04.2003 empfohlen, sowohl die Bezeichnung als auch die Gruppierung der bisherigen Risikoklassen abzulösen durch Genotypklassen nach der Einteilung im folgenden Abschnitt:

Scrapie-Resistenz-Zucht weiter vorantreiben
Bericht der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein veröffentlicht im Bauernblatt Schleswig-Holstein vom 24.05.2003
(auszugsweise)

Genetische Grundlagen

   Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, daß verschiedene Aminosäuremuster des Prionproteins (PrP) für die Scrapie-Empfänglichkeit bzw. für die Scrapie-Resistenz bei Schafen verantwortlich sind.
    Das PrP besteht aus 256 Aminosäuren. Seine Zusammensetzung wird vom PrP-Gen auf Chromosom 13 (Teil der Erbsubstanz) bestimmt. Die entsprechenden Abschnitte (Codons) des PrP-Gens, die für die Empfänglichkeit der Traberkrankeit verantwortlich sind, befinden sich an den Positonen 136, 154 und 171.
    Bisher wurden fünf verschiedene für das Scrapie-Risiko bedeutsame Genvarianten (=Allele) des PrP-Gens identifiziert. Die Bezeichnungen der Allele ergeben sich aus den Aminosäuren an den Positionen 136, 154 und 171 des Prionproteins. Folgende Allele werden unterschieden:

 

Position des Prionproteins (PrP)

Allel

136

154

171

Aminosäure Alanin (A)
Alanin (A)
Alanin (A)
Alanin (A)
Valin (V)
Agninin (R)
Histidin (H)
Arginin (R)
Arginin (R)
Arginin (R)
Arginin (R)
Glutamin (Q)
Histidin (H)
Glutamin (Q)
Glutamin (Q)
ARR
AHQ
ARH
ARQ
VRQ

    Von den angegebenen Genvarianten ist es das ARR-Allel, welches für die Scrapie-Resistenz verantwortlich ist und das VRQ-Allel, welches die höchste Scrapie-Empfänglichkeit verursacht. Da ein Chromosom aus zwei DNS-Strängen aufgebaut ist, besitzt ein Schaf immer zwei Allele, die den Genotyp bestimmen. So lassen sich aus den fünf Allelen 15 verschiedene Genotypen kombinieren. Diese können reinerbig (homozygot) vorliegen z.B. als ARR/ARR oder mischerbig (heterozygot) sein wie z.B. ARR/ARQ oder VRQ/ARH.

Aus den Risikogruppen wurden ab dem 1. Juni 2003 Genotypklassen

    Um bei den vielen verschiedenen Genotypen den Überblick zu behalten, waren die Genotypen bisher in die Risikogruppen R1 bis R5 eingeteilt.
Ab dem 1. Juni 2003 werden diese durch die Genotypklassen G1 bis G5 ersetzt. Die neuen Genotypklassen wurden nach der Anzahl ARR-Allele und VRQ-Allele gebildet. Vorteil dieser neuen Einteilung ist, daß sie besser auf züchterische und seuchenhygienische Anforderungen abgestimmt ist.

 So befinden sich scrapie-resistente Tiere, also Schafe mit zwei ARR-Allelen jetzt in der Genotypklasse G1 (vormals Risikogruppe R1).
Alle Schafe mit einem ARR-Allel und keinem VRQ-Allel werden in die Genotypklasse G2 eingruppiert,
alle Schafe ohne ARR-Allel und ohne VRQ-Allel in die Genotypklasse 3.
In der Genotypklasse G4 befinden sich alle Tiere mit einem ARR-Allel und einem VRQ-Allel.
Schafe mit mindestens einem VRQ-Allel aber keinem ARR-Allel werden in die Genotypklasse G5 eingeordnet.
Nachstehend ein Überblick, in welche der neuen Genotypklassen ein bestimmter PrP-Genotyp sich jetzt befindet und in welche Risikogruppe er vorher eingeteilt war.

Risikogruppe (alt) Genotypklasse (neu) PrP-Genotyp
R1 G1 ARR/ARR
R2 G2 ARR/AHQ
R3 ARR/ARH
R3 ARR/ARQ
R2 G3 AHQ/AHQ
R3 AHQ/ARH
R3 AHQ/ARQ
R4 ARH/ARH
R4 ARH/ARQ
R4 ARQ/ARQ
R4 G4 VRQ/ARR
R4 G5 VRQ/ARH
R5 VRQ/AHQ
R5 VRQ/ARQ
R5 VRQ/VRQ

    Bei einem Scrapie-Fall werden bei Vorliegen einer Genotypisierung nach der neuen Einteilung Zuchtböcke der Genotypklasse G1 und weibliche Zuchtschafe der Genotypklasse G1 sowie G2 nicht mehr gekeult. Ebenfalls nicht mehr gekeult werden Schlachtlämmer der Genotypklassen G1, G2 und G4, d.h. die gesamten Lämmer aus einem G1-Bock können vermarktet werden.
Durch die neuen Genotypklassen haben die mischerbigen ARR-Träger eine starke Aufwertung erfahren.
Dies ist nicht nur von großer Bedeutung für die Gebrauchsschafhaltung, sondern auch für die Herdbuchzucht: liefern diese Tiere doch bei der Verpaarung mit einem resistenten Tier (ARR/ARR) zur Hälfte resistente Nachkommen.
Bei der Anpaarung eines ebenfalls mischerbigen Bockes ist nach den Mendelschen Regeln immerhin ein Viertel der Nachzucht resistent.